Bremsen am Hamsterrad

Die Corona Krise verändert unsere Gesellschaft. Auch an der Kirche geht dies nicht vorbei. Die neue Ausgabe von »unterwegs« zeigt, wie Gemeinden sich auf die Situation einstellen.

Jetzt sei es so, »als hätte jemand von außen riesige Bremsen ans Hamsterrad gelegt«, erklärt der Soziologe Hartmut Rosa. Tatsächlich scheint die Zeit langsamer zu vergehen, seit viele Termine ausfallen.

Während wir das Hamsterrad als Symbol für eine unaufhaltsame Beschleunigung sehen, aus der wir kaum ausbrechen können, lieben Goldhamster ihre Hamsterräder. Auch wilde Hamster nutzen sie gerne, wenn sie auf der Wiese aufgestellt werden, wie ein Test ergab – ebenso wie wir die Fitnessgeräte, die manchmal in Parks installiert sind. Zurzeit müssen wir jedoch auch auf das Fitness-Studio, den Gymnastikkurs bei der Volkshochschule und den regelmäßigen Sport im Verein verzichten.

Und wie ist es in unserer Kirche? Wir fühlen uns da auch ausgebremst, aber übersehen, dass Menschen derzeit so offen für den Glauben sind wie etwa in der Adventszeit. Mehr Leute als sonst in unsere Kirchen kämen, werden durch Gottes- dienste oder missionarische Veranstaltungen im Internet erreicht. Aber auch vor Ort interessieren sich Nachbarn plötzlich für unsere Kirchen. Anwohner lassen sich berühren durch ein Osterkreuz vor der Tür (Seite 16) und bleiben stehen, wenn sie auf ihrem Weg den Satz »Der Herr ist auferstanden!« entdecken (Seite 24).

Das Hamsterrad ist angehalten. Aber die Nachbarn freuen sich über unsere kreativen Ideen. Lassen Sie sich anregen – und bleiben Sie behütet!

Ihre Iris Hahn

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Was haben seine Augen gesehen?

Michael Putzke

Was würde der Engel sagen, wenn er zu uns sprechen könnte? »Der Schwebende « auf dem Titel der aktuellen »unterwegs«-Ausgabe ist eines der bekanntesten Kunstwerke von Ernst Barlach. Vor 150 Jahren wurde der Bildhauer, Zeichner und Schriftsteller am 2. Januar 1870 geboren. Barlach schuf diese Skulptur im Jahr 1927 für den Güstrower Dom; seit 1952 hängt ein Abguss in der Antoniterkirche in Köln.

In den Zwanzigerjahren entstanden in Deutschland viele Denkmale für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Zuerst hatte Barlach den Krieg begrüßt, später setzte er sich mit dem Grauen auseinander, das mit ihm über die Menschen kam. »Für mich hat während des Krieges die Zeit stillgestanden. Sie war in nichts anderes Irdisches einfügbar. Sie schwebte«, sagte Barlach später. »Von diesem Gefühl wollte ich in dieser im Leeren schwebenden Schicksalsgestalt etwas wiedergeben.« Die Kunst von Ernst Barlach bewegt Menschen bis heute. »Der Schwebende« mahnt still und gleichzeitig kraftvoll.

Wir wollen in dieser Ausgabe von »unterwegs « an Ernst Barlach erinnern. Die Kunsthistorikerin Sigrid Gänzle beschreibt seinen Lebensweg und seine Kunst. Übrigens, zwei Bilder von Barlach finden sich auch im Gesangbuch unserer Kirche.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen von »unterwegs«.

Ihr Michael Putzke

redaktion@emk.de

Das Bild finden Sie hier

»Und dann kam der Krieg«

Dieser Satz fiel oft in meiner Kindheit, wenn die Erwachsenen von früher erzählten. Dann berichteten sie, wie die jungen Männer eingezogen wurden und oft nicht wieder kamen. Wer als Soldat überlebt hatte, sagte bitter: »Man hat uns die Jugend gestohlen«.

Am Sonntag, den 1. September erscheint die neue Ausgabe von unterwegs und erinnert an den Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren.

Im Laufe des Krieges wurden die Lebensmittel knapp und viele Kinder verbrachten mehr Zeit im Bunker als in der Schule. Am Ende verloren Viele ihre Heimat und besaßen nur noch das, was sie am Leibe trugen. Der Krieg hat tief in das Leben der Menschen eingegriffen und Viele verstört zurückgelassen.

Als ich später ins Ausland reiste, erzählten die Menschen auch vom Krieg. Oft begannen die Sätze so: »Und dann kamen die Deutschen…« Da verstand ich, dass der Krieg, der in ganz Europa Familien auseinanderriss, Dörfer und Städte verheerte, von Deutschland ausgegangen war. Vor diesem Hintergrund bleibt es bis heute eine große Chance, dass seit 1945 so viel Versöhnung möglich war. Ich selbst habe viele Menschen kennen und schätzen gelernt, gegen deren Heimat Deutschland vor 80 Jahren Krieg geführt hat.

Nichts ist heilsamer, als sich ehrlich der Geschichte zu erinnern – ohne sie zu relativieren. Damals ging von Deutschland ein furchtbarer Krieg aus, aber heute leben wir in einem weitgehend friedlichen Europa. Lernen wir das zu schätzen und den Frieden zu bewahren.

Ihr Michael Putzke

Debatte um Homosexualität in der EmK

Im Februar 2019 stehen auf der außerordentlichen Generalkonferenz Entscheidungen an, die unsere Kirche verändern werden. Dabei ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen, wie die Entscheidungen ausfallen werden. Mit dieser Ausgabe von »unterwegs« informieren wir über die Debatte um Homosexualität in unserer Kirche. Bischöfin i.R. Rosemarie Wenner zeigt auf, warum das höchste Gremium der EmK seit über 40 Jahren mit dieser Frage ringt (Seiten 6 und 7).

Das Thema polarisiert: Manche halten es für undenkbar, dass sich die Kirche Homosexuellen weiter öffnet. Für andere ist gerade dieser Schritt dringend geboten. In dieser Ausgabe wollen wir die Bandbreite der Meinungen in der EmK abbilden. So vertreten zwei Professoren von der Theologischen Hochschule in Reutlingen unterschiedliche Positionen (Seiten 10 und 11). Sie tun das im gegenseitigen Respekt. Auch eine ganze Anzahl an Personen aus unserer Kirche teilen mit, wie sie in dieser Frage denken (Seiten 14 bis 17).

Wir hoffen, dass diese Ausgabe von »unterwegs« bei den Gesprächen in den Gemeinden hilft, sich eine Meinung zu bilden – und trotz aller Unterschiede das Verbindende zu sehen. Eine solche Auseinandersetzung, die in der Liebe bleibt, bringt uns als Kirche weiter. Wir wünschen Ihnen bei der durchaus fordernden Lektüre von »unterwegs« viele Denkanstöße und gute Gesprächshilfen.

Ihr Michael Putzke

»Im Alter meldet sich die Seele«

Bundesarchiv, Bild 183-19000-1661 / CC-BY-SA 3.0

Der Krieg hat sie geprägt. Kinder spielen in Ruinen

Am 1. September vor 79 Jahren begann der Zweite Weltkrieg. Über das Schicksal der Kriegskinder spricht Pastorin Ulrike Burkhardt-Kibitzki.

Frau Burkhardt-Kibitzki, was verbindet die Generation, die den Krieg als Kinder erlebt hat?
Ulrike Burkhardt-Kibitzki: In der Forschung geht man davon aus, dass 30 bis 40 Prozent der Kriegskinder Traumata erlebt haben, davon 10 Prozent sehr schwere. Dazu gehört auch ein großer Mangel an Geborgenheit, den die Kinder erlebten. Die Erwachsenen standen ja stark unter Druck. Die Eltern konnten ihre Kinder nicht richtig binden und schützen. In den ersten Lebensjahren ist die Bindung an die Eltern entscheidend. Aber viele Männer waren im Krieg und die Mütter konnten ihren Kindern oft nicht mehr den nötigen Halt geben.

Haben die Kriegskinder auch bestimmte Fähigkeiten entwickelt?
Ulrike Burkhardt-Kibitzki: Es herrschte bald nach dem Krieg die Stimmung: »Wir werden das schaffen! Wir beißen auf die Zähne. Keine Wehleidigkeit!« Fleiß, Disziplin, Tüchtigkeit; das war das große Credo. Aber die Seele ist bei Vielen zurückgeblieben. Sie meldet sich jetzt im Alter, oft über deren Enkel, die ihre Großeltern fragen: »Wie war das damals?« Da geschieht etwas, was die Generationen verbindet.

Seit fünfzehn Jahren brechen Kriegskinder ihr Schweigen. Warum jetzt?
Ulrike Burkhardt-Kibitzki: Das ist die Zeit, in der die Älteren aus der Generation der Kriegskinder in Ruhestand gegangen sind. Die Kriegskinder sind die 1930er- bis 1945er-Jahrgänge. Ab Mitte der 1990er-Jahre sind diese in Ruhestand gegangen. Da ist etwas hoch gekommen, was viele über Jahrzehnte verdrängt haben. Es durfte ja nicht darüber gesprochen werden. Dazu gab es damals nach dem Krieg keine Möglichkeit der Psychotherapie. Die Menschen haben einfach die Ärmel hochgekrempelt und hart gearbeitet. Sie sind fleißig gewesen und wollten es zu etwas bringen. Materieller Wohlstand hat eine gewisse Geborgenheit gegeben.
Erst als dann die Berufsarbeit weggefallen ist, sind die Erinnerungen wieder hochgekommen. Es hat seitdem zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema gegeben. Das wirkte wie ein Dammbruch und es war eine große Erleichterung für viele Kriegskinder, dass über diese Erfahrungen endlich gesprochen wurde. Man konnte jetzt sagen: »Unter uns Deutschen waren nicht nur Täter; wir waren Kinder, wir waren Opfer.« Das galt bis in die 1990er-Jahre als politisch nicht korrekt. Heute gibt es einen differenzierteren Blick.

Wo kommen die Erfahrungen der Kriegskinder in der Kirche vor?
Ulrike Burkhardt-Kibitzki: Das Thema ist in der Seelsorge wichtig, wenn Menschen sich öffnen und einfach mal erzählen wollen. In der klassischen Seniorenarbeit mit Kaffeetrinken und Nachmittagsprogramm spielt es nicht die große Rolle, weil die Erinnerungen zum Teil unter Verschluss gehalten werden in einer größeren Gruppe. Dann ist es auch eine Mentalitätsfrage, ob Menschen gerne erzählen oder nicht.

Wie kann eine Gemeinde helfen, ins Gespräch zu kommen?
Ulrike Burkhardt-Kibitzki: Der Seniorenkreis kann ein Ort sein, wo Menschen über ihre Kindheit sprechen dürfen. Es braucht dazu aber einen Raum des Vertrauens. Nicht jeder Seniorenkreis ist dafür geeignet. Man muss vertrauensvoll damit umgehen – gerade mit den schweren Erlebnissen. Manche empfinden hier auch eine Grenze: Sie wollen das Schwere, das andere in ihrer Generation erlebt haben, nicht hören, weil es sie zu sehr belastet; weil dann der eigene Schmerz, die eigene Trauer zu stark berührt wird. Das muss man respektieren.

Welche Gelegenheiten gibt es noch?
Ulrike Burkhardt-Kibitzki: Eine gute Möglichkeit ist es, den Seniorenkreis mit der Gruppe vom Kirchlichen Unterricht zusammenzubringen. Da erlebe ich es auch, dass Jugendliche fragen und hören wollen: »Wie habt ihr das damals erlebt?« Erlebte Geschichten zu hören ist immer gut, und die Senioren werden mit ihren Erinnerungen nicht allein gelassen.


Der Autor
Michael Putzke ist der Leitende Redakteur von »unterwegs«, des Magazins der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Dieses Interview wurde Ausgabe 2018-18 von »unterwegs« veröffentlicht.

Kontakt: redaktion@emk.de.

Zur Information
Pastorin Ulrike Burkhardt-Kibitzki ist Beauftragte für Seniorenarbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche.

https://www.emk-bildung.de/info-seniorenarbeit.html

 

Die Generation der Kriegskinder

»Damals nach dem Krieg …«

So begannen manche Sätze meiner Eltern. Dann erzählten sie von den Hunger- und Mangeljahren nach 1945. Sie berichteten von den verunsicherten Lehrern in der Schule, die mit einem Mal etwas anderes sagten als noch vor der Kapitulation. Manchmal sprachen die Eltern in leisem Ton von den Sirenen in den Bombennächten und dem Schrecken der Tiefliegerangriffe in den letzten Kriegswochen.

Im Rückblick wird mir klar, dass diese Erinnerungen meist nur im privaten Rahmen geäußert werden konnten. Thema in der Öffentlichkeit waren in meiner Jugend lange alleine die Verbrechen der Nationalsozialisten, die ganze Länder in Europa mit Krieg und Vernichtung überzogen hatten. Heute gestehen wir ein, dass auch viele Kinder in Deutschland damals Schweres erlebt haben. Gut, dass heute darüber gesprochen werden kann.

Der Theologe und Journalist Christoph Fleischmann zeigt in seinem Artikel auf den Seiten 6 und 7 in dieser Ausgabe von „unterwegs“, wie der Krieg das Leben seines Vaters zutiefst geprägt hat. Wie viele Andere aus der Generation der Kriegskinder hat auch er erst im Ruhestand solche Erinnerungen an sich herangelassen.

Der 1. September ist ein Tag, an dem wir daran denken, dass vor bald achtzig Jahren der Zweite Weltkrieg begann. Mit dem Blick auf die Geschichte können wir einfach dankbar sein, schon so lange in Frieden zu leben.

Ihr Michael Putzke

»Freu dich mit Israel seiner Gnaden«

Am Israelsonntag war meist die Zerstörung des Tempels in Jerusalems das Thema. Warum eigentlich? Lange wurde dabei betont, was die Kirche von der Synagoge trennt. Heute erinnern wir uns besser an die Treue Gottes, die Christen und Juden gilt.

»Während der Tempel brannte, raubten die Soldaten, was sie fanden und töteten, die ihnen in die Hände fielen. Kein Erbarmen hatten sie mit dem Alter, keine Achtung vor der Würde. Kinder und Greise, Laien und Priester wurden ohne Unterschied ermordet. Unter allen Schichten wütete der Krieg, ganz gleich, ob die Menschen um Gnade flehten oder sich zur Wehr setzten.« So beschreibt der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus die Eroberung Jerusalems im Jahr 70 nach Christus. Am neunten Tag des jüdischen Monats Av zerstörten die Römer den Tempel; als wollten sie damit ihre Überlegenheit demonstrieren: »Auch euer Gott kann uns nicht stoppen!« Mit dem Auslöschen seines Tempels wollten die Römer den biblischen Gott selbst symbolisch vernichten. Das antike Judentum veränderte sich in der Folge von Grund auf.

Zerstörung des Tempels in Jerusalem. Bild von Francesco Hayez (1791-1881). Quelle: Wikimedia Commons

Die Zerstörung des Tempels haben die Juden nie vergessen. Das ist doch der Ort gewesen, wo Gott wohnte. Bis heute ist der 9. Av ein Trauertag, an dem man fastet und betet. Die Schuld am Geschehen sieht Israel auf seiner Seite: »Wir haben dein Haus verwüstet durch unsere Sünden. Wir haben unsere Propheten getötet und alle Gebote übertreten, die in der Thora sind.« So heißt es selbstkritisch im Midrasch Pesikta Rabbati.

Israelsonntag: Unser Verhältnis zum Judentum

Diese Ausgabe von »unterwegs« erscheint am Israelsonntag, am 10. Sonntag nach Trinitatis. Dieses Datum liegt in der Nähe des 9. Av, an dem Juden um den Tempel trauern. An diesem Tag erinnert sich die Kirche an ihr Verhältnis zum Judentum. Lange hatte sie sich exklusiv als das neue Israel verstanden, mit dem Gott einen neuen Bund geschlossen hat. Daraus folgerte sie dann entschieden, dass damit der alte Bund vergangen sei. So wurde am Israelsonntag darüber gepredigt, wie Jesus über Jerusalem weint. Lukas beschreibt Jesus als einen, der die Katastrophe der Zerstörung des Tempels kommen sieht. Er weinte über Jerusalem: »Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen« (Lukas 19,42). Im zerstörten Tempel konnten die Menschen damals Gott nicht mehr nden. Und so sei der alte Bund auch durch den neuen abgelöst worden.

Leben von der Treue Gottes

Christen haben neu gelernt, dass Gott treu ist: Der Bund Gottes mit seinem Volk hat Bestand. Diesen Lernprozess kann man in einem Lied unseres Gesangbuches zeigen: »Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit! Lobt ihn mit Schalle, werteste Christenheit!« Im vorigen Gesangbuch war es die Nummer 124. Wie ging die erste Strophe dort weiter? »Er lässt dich freundlich zu sich laden, freue dich, Israel, seiner Gnaden.«

Wer ist hier Israel? Es ist die Kirche oder wie es im Lied heißt, »die werteste Christenheit«. Sie reklamiert es für sich, Israel zu sein! Im neuen Gesangbuch heißt es anders (EM 79): »Er lässt dich freundlich zu sich laden. Freu dich mit Israel seiner Gnaden.« Aus der Freude, das Israel seiner Gnaden zu sein, wird die Freude mit Israel. Das gibt dem Lied eine neue Bedeutung. Wir freuen uns, zusammen mit dem Volk Israel seine Kinder zu sein.

Als Christen teilen wir mit dem Judentum das Alte beziehungsweise »Erste« Testament mit seinen Geboten, Hoffnungstexten, den Verheißungen und Psalmen. Wir glauben an Christus, der als Jude gelebt hat und gestorben ist. Das bindet uns an das Judentum. Auch die Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 hat eine Bedeutung für uns Christen. Dass Zionisten Anfang des 20. Jahrhunderts in das damalige Palästina, in das Land der Verheißung, zurückgekehrt sind und dass später der Staat Israel gegründet wurde, ist ein Zeichen der Treue Gottes gegenüber seinem Volk. Dahinter können wir nicht zurück.

Michael Putzke

Jetzt am Sonntag ist der »Israel-Sonntag«. Aus diesem Anlass machen wir in »unterwegs« eine Nummer zum Thema Israel.

Der Staat Israel. In den ersten Jahren wurde er existentiell bedroht, setzte sich aber durch. Viele Menschen bewundern dieses kleine und moderne Land im Nahen Osten. Es ist einem steten Wandel unterworfen und bietet gleichzeitig viel Geschichte und Kultur.

Israel löst immer wieder Diskussionen aus. Allein die Nachrichten der letzten Wochen zeigen eine große Spannweite: So rettet Israel »Weißhelme« aus Syrien aus einer aussichtslosen Lage. Was für eine humanitäre Geste! Auf der anderen Seite verabschiedet die Knesset ein »Nationalitätsgesetz«, das den jüdischen Charakter des Landes stärken soll, aber die Minderheiten im Land übergeht. Das Gesetz wird auch in Israel heftig kritisiert, es schwäche die Demokratie des Landes.

Im Heft können wir nur Ausschnitte zeigen:

Neben der Geschichte der Staatsgründung (Seiten 6 und 7) und einem Erfahrungsbericht, warum Christen gerne nach Israel reisen (Seiten 8 und 9), ist das Thema des neuen Antisemitismus bedrängend. Denn er tritt in unserem Land wieder neu auf. Hier sind wir gefordert, Stellung zu beziehen.

Ich wünsche allen viel Freude beim Lesen von »unterwegs«.

Schalom!

Ihr Michael Putzke

Baut Windmühlen!

229 – so viele »unterwegs«-Ausgaben durfte ich in den vergangenen neun Jahren für Sie, liebe Leserinnen und Leser.  produzieren. Dankbar blicke ich auf diese Zeit zurück, auf viele bereichernde Begegnungen, auf spannende Entwicklungen und Herausforderungen in unserer Kirche und darüber hinaus. Die Zeitschriftenarbeit der EmK einige Jahre gestalten zu können, das hat mir große Freude gemacht und ich hoffe, dass etwas von dieser Freude sichtbar geworden ist in Ihrem »unterwegs«. Danke für die vielen Rückmeldungen, mit denen Sie unsere Arbeit begleitet haben!
Veränderungen gehören zum Leben, auch wenn wir sie oft als bedrohend empfinden. Nur die Veränderung kann mir zeigen, ob mein Weg der Richtige ist für mich. Man muss nicht so weit gehen wie der TV-Pfarrer Heiko Bräuning, der in einem mehrwöchigen Experiment sein eigenes Sterben bis zur Beerdigung durchgespielt hat. Er wollte herausfinden, was ihm wichtig ist – und hat als Konsequent seinen Pfarrerberuf an den Nagel gehängt.
Aber klar ist: Wer sich auf Veränderung einlässt, spürt die Energie und die schöpferische Kraft, die in ihr liegt. »Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen«, so heißt ein chinesisches Sprichwort. Ich wünsche uns allen, dass wir mehr Windmühlen bauen!

Ihr Volker Kiemle